Wichtige Informationen zum Praxismodell Eigenverbrauch

Vor rund einem Jahr hat die ElCom die Rechtmässigkeit der Ausgestaltungen gewisser Eigenverbrauchslösungen überprüft. Im Speziellen ging es dabei um das sogenannte Praxismodell Eigenverbrauch. Die ElCom hat die stromversorgungsrechtlichen Anforderungen an das Praxismodell festgehalten. Doch offenbar liessen diese Anforderungen einen gewissen Interpretationsspielraum offen. Deshalb musste die ElCom die Regeln für das Praxismodell Eigenverbrauch konkretisieren und hat im Juli 2020 eine neue Mitteilung veröffentlicht.

Es gibt drei wesentliche Punkte, die jetzt präziser geregelt sind:

  1. Die Zustimmung der Teilnehmer
  2. Die Messung und die Abrechnung bei den Endverbrauchern
  3. Die Anrechenbarkeit der Kosten und die Entflechtung

Hier gehen wir auf diese drei Punkte individuell ein:

1. Eine explizite Zustimmung der Teilnehmer ist notwendig

Endverbraucher müssen der Teilnahme am Praxismodell Eigenverbrauch explizit zustimmen. Bei einem Mieterwechsel gilt dies auch für den neuen Mieter. Es darf keine automatische Zuordnung geben und auch das Opt-out-Prinzip ist ungültig. Wichtig ist dabei noch folgende Unterscheidung:

  • Bei neuen Praxismodellen muss die Zustimmung bereits vor der Umsetzung vorliegen.
  • Für bestehende Praxismodelle hat die ElCom eine Übergangsfrist gewährt. Betroffene Endverbraucher müssen ihre Zustimmung bis Ende Juli 2021 geben.

2. Die Rechnungsstellung muss transparent sein

Das bedeutet, dass Netznutzung und Abgaben jedem teilnehmenden Endverbraucher nur für den von ihm individuell bezogenen Strom berechnet werden dürfen. Auch den Strombezug aus der Produktionsanlage muss der Netzbetreiber individuell ermitteln und somit die Lastgänge bei jedem einzelnen Messpunkt erfassen. Dies ist mit Smartmetern möglich.

Auch hier gibt es einen Unterschied zwischen neuen und bestehenden Anlagen:

  • Bei neuen Projekten benötigt es eine entsprechende Messinfrastruktur von Anfang an.
  • Bei bestehenden Praxismodellen gibt es eine Übergangsfrist. Hat der Netzbetreiber mit einem Roll-out für Smartmeter bereits begonnen, so muss er die betroffenen Messpunkte bis spätestens Ende Juli 2021 mit Smartmetern nachrüsten.

Ist der Roll-out noch nicht gestartet, hat der Netzbetreiber ab Beginn des Roll-outs ein Jahr Zeit, um die Messpunkte in bestehenden Praxismodellen mit Smartmetern nachzurüsten. Schafft der Netzbetreiber es nicht, bis Ende Juli 2021 die erforderliche Messinfrastruktur einzubauen, um eine transparente Rechnungsstellung zu gewährleisten, muss er die betroffenen Endverbraucher zur Zustimmung informieren, wie bis zum Einbau von Smartmetern Netznutzung, Abgaben und Energiebezug abgerechnet werden.

3. Die Vorgaben zur buchhalterischen und informatorischen Einflechtung sind einzuhalten

Dies bedeutet zweierlei:

  • Messkosten gelten als anrechenbare Netzkosten. Hingegen fallen Aufwände für Dienstleistungen und Leistungen für Produzenten ausserhalb des Netzbereichs an. Sie dürfen nicht Teil der Netzkosten sein. Produzenten können diese Kosten den Endverbrauchern direkt verrechnen oder andere Vereinbarungen treffen.
  • Falls der Netzbetreiber Marktdienstleistungen in Verbindung mit dem Praxismodell Eigenverbrauch anbietet, muss er die Vorgaben zur informatorischen Entflechtung beachten. Das heisst, er darf die Informationen aus dem Netzbetrieb oder der Grundversorgung nicht für andere Marktdienstleistungen nutzen.

Die präziseren Vorgaben sind wichtig. Sie führen nicht nur dazu, dass bei einer gesetzeskonformen Ausgestaltung eines «Praxismodells Eigenverbrauch» die Rechtssicherheit erhöht wird, sie tragen auch noch dazu bei, dass eine grössere Vergleichbarkeit, Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Eigenverbrauchslösungen gefördert wird.

Von Denis Spät, Senior Regulierungsmanager BKW 

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